In unserer Reihe Förderung  und Bildung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat die Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg ein neues Gemeinschaftsprojekt initiiert:  „Green Innovations Campus.“ Gemeinsam mit der Baden-Württemberg: Connected e.V. und der Umwelttechnik BW prämiert unsere Stiftung auf dem GIF Ideen und Lösungsansätze, welche einen Beitrag für den Klima- und Umweltschutz in Städten und Regionen leisten können. Bei dieser Veranstaltung treffen sich Studierende, Innovatoren, Investoren, Forscher und Gründer, die neue Ideen und „grüne“ Technologien in die Praxis umsetzen möchten.

Auch 2018 zeichnete die Stiftung Energie & Klimaschutz wieder die besten Grünen Ideen auf dem Green Innovation and Investment Forum“ aus. Wir haben  uns auf dem GIIF für Sie umgeschaut und ein paar Impressionen eingefangen.

Die Inspirational Speech hielt  Benjamin Adrion, ehemaliger deutscher Fußballspieler und Initiator des Hilfsprojektes Viva con Agua de Sankt Pauli. Mit Benjamin Adrion hat unser Energie-Reporter Tobias auch noch ein  persönliches Interview geführt. Dies finden Sie ebenfalls hier.

 

Green Innovations Campus 2018

20 internationale Start-ups pitchten mit Ideen für eine „grünere“ Zukunft  am 21. Februar 2018 auf dem vierten Green Innovation and Investment Forum (GIIF) in Stuttgart vor knapp 150 Gästen um Kapital, Kooperationspartner und Best Green Tech Idea Awards der Early und der Advanced Stage. Die Stiftung Energie & Klimaschutz vergab auch in 2018 erneut an die Kategorien Early Stage und Advanced Stage einen Geldpreis in Höhe von jeweils 3.000 Euro an diejenigen Teilnehmer-Ideen, die am besten dazu beitragen, Umwelt und Klima zu schützen. Das Rennen um die Awards machten Twipes aus England für die Advanced Stage, Seedforward aus Deutschland für die Early Stage und Nanoscreen aus Dänemark für den Scientifiic Support Award.

 

 

„Best Green Tech Idea Award“ der Early Stage bleibt in Deutschland
Von den zehn Start-ups der Early Stage wurde das Unternehmen Seedforward aus Deutschland für das Produkt Orgiseedfix ausgezeichnet. Um Samen und Setzlinge vor Krankheiten zu schützen, werden Samen mit Substanzen wie Dünger und Pesitiziden ummantelt (Coating). Dem Ökologischen Landbau stehen dabei deutlich weniger Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung als dem konventionellen Landbau. Ernteeinbußen fallen im Fall von Krankheiten bei ohnehin geringerer Produktionsleistung entsprechend gravierender aus. Mit Orgiseedfix haben die Innovatoren von Seedforward ein Coating entwickelt, dass den Wasserbedarf der Keimphase senkt, die Rhizosphäre mit Nährstoffen über einen längeren Zeitraum versorgt, den Keimling gegen bodengebundene Keime schützt und nachhaltig die Vitalität der Pflanze stärkt. Die Coatings sind dabei auf Klima, Boden und Pflanzenart abstimmbar. Die ersten Versuchsergebnisse sind vielversprechend. Die Wurzelbildung konnte um mehr als 80 Prozent, die Schosse des Keimlings um mehr als 50 Prozent verbessert werden. Sowohl das exzellente Verständnis von Produkt, Prozess und Markt als auch die globale Skalierbarkeit der Innovation überzeugten die Jury, so Ulrike Steinbrenner, Jury-Mitglied des GIIF-Förderers Stiftung Energie und Klimaschutz Baden-Württemberg.

Den Preis für die beste „Advanced Stage“ Green Tech Idea vergab die Stiftung an das Londoner Startup Twipes welches sich mit dem Thema sich schnell zersetzende Feuchttücher gegen Verstopfung auseinandergesetzt hat. Die Erfindung der Feuchttücher gelten für Abwassersysteme und Kläranlagenbetreiber als Pest der Neuzeit. Anders als Toilettenpapier lösen sich Feuchttücher auf dem Weg durch die Kanalisation zur Kläranlage nicht auf. Im Gegenteil, sie führen zu Verstopfungen der Rohrsysteme und erzeugen Berge von Feststoffabfall, die in den Rechen der Kläranlagen hängen bleiben und entsorgt werden müssen. Über 200 Millionen Packungen Feuchttücher wurden 2015 allein in Deutschland verkauft. Die jährlichen Zuwachsraten sind zweistellig. Unter der Prämisse, dass Feuchttücher als Produkt nicht vom Markt verschwinden und auch weiterhin in großem Maße über die Toilette entsorgt werden, kommt eine Lösung der Problematik von einem Start-up aus London, dessen Kanalisation berüchtigt ist für regelmäßige Verstopfungskoliken. Twipes funktionieren exakt so wie herkömmliche Feuchttücher. Für den Konsumenten ändert sich nichts. Bei Wasserkontakt und Bewegung, wie in der Kanalisation vorhanden, zersetzen sie sich jedoch sehr schnell und zwar vollständig. Die Innovation für das drängende Verstopfungsproblem ist marktreif und mit geeigneten Partnern schnell global skalierbar. Die Jury des GIIF zeichnete Twipes deshalb mit dem Best Green Tech Idea Award der Advanced Stage aus. „Auch wenn nun Twipes gewonnen hat, war es doch am Ende ein ganz enges Rennen zwischen vier der zehn angetretenen Start-ups,“ so Dr.-Ing. Hannes Spieth vom Mitveranstalter Umwelttechnik BW GmbH, der ebenfalls anmerkte, dass die Qualität der präsentierten Lösungen insgesamt sehr hoch gewesen sei in diesem Jahr.

Scientific Support Award“ für Nanoscreen aus Dänemark
Wie in den vergangenen Jahren stellte das INEC der Hochschule Pforzheim erneut den Scientific Support Award zur Verfügung. Mit diesem Award erhält ein Start-up für ein Semester eine intensive wissenschaftliche Begleitung durch die Hochschule. „Wir suchen nach einem Start-up, dessen Lösung uns zunächst überzeugt und wo wir das Potenzial sehen, dass sich durch unsere Unterstützung das Start-up an kritischen Punkten substanziell voranbringen lässt,“ so Prof. Claus Lang-Koetz von der Hochschule Pforzheim. Die Wahl fiel in diesem Jahr auf das dänische Start-up Nanoscreen. Die vorgestellte Lösung basiert auf einer polymerbasierten Beschichtung von großen Glasflächen, die durch integrierte Nanopartikel Wärmeenergie reflektieren ohne den Lichteinfall zu minimieren. Die technische Lösung kann gerade bei hohen Temperaturen den Bedarf an Gebäudekühlung und Klimatisierung deutlich herunterfahren. „Die Idee von Nanoscreen ist technisch herausfordernd und steht noch am Anfang, hat aber ein großes Potenzial, über eine einfache Anwendung den Energiebedarf von Gebäuden zu senken. Das hat uns überzeugt“, so Lang-Koetz.

 

 

 

Foto Credits: Frank Eppler