Realität oder Utopie - ist CCS der Klimaretter?
Informationsabend der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg zu den Chancen und Risiken der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken
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Ermöglicht die Abscheidung und unterirdische Speicherung von Kohlendioxid künftig eine klimafreundliche Kohleverstromung? Bei einem Informationsabend der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg am 25. März 2009 in Stuttgart referierten international renommierte Experten vor rund 100 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über den technischen Stand, die politischen und gesellschaftlichen Rahmen- |
(v.l.n.r.): v. Trotha, Prof. Schellnhuber, Dr. Backes, Prof. Hüttl, Dr. Beck und Dr. Grünwald
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In seiner Begrüßung erläuterte Dr. Bernhard Beck, EnBW Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor, an einem praktischen Beispiel die Problematik der Kohlendioxidabscheidung und -speicherung für die süddeutschen Energieversorger. Künftig müsse im Fall des Einsatzes von CCS an süddeutschen Kraftwerken das CO2 unter hohen Wirkungsgradverlusten in den Kraftwerken abgeschieden und sodann mittels noch zu bauender Pipelines in noch nicht vorhandene Lagerstätten wieder zurück in den Norden des Landes transportiert werden. Gleichwohl, gab sich Dr. Beck optimistisch, könne diese Technologie im globalen Maßstab vieles zur Lösung der Klimaproblematik beitragen. Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Klimaberater der Bundesregierung, forderte, alle Bemühungen zu unternehmen, um CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren und die Auswirkungen der Klimaerwärmung zu begrenzen. Die Emissionen von Treibhausgasen sind nach aktuellen Forschungen noch stärker angewachsen, als dies in allen veröffentlichten Worst-Case-Szenarien bislang angenommen wurde. Die CCS-Technologie könne der „entscheidende Joker“ für die Stabilisierung des Klimas sein. Durch den Einsatz von CCS in Kombination mit Biomasse ist es nach Aussagen von Prof. Schellnhuber sogar möglich, der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen und damit letztlich im Prinzip „negative“ Emissionen zu erzielen. Dr. h. c. Klaus von Trotha, Vorsitzender des IZ Klima – Informationszentrum klimafreundliches Kohlekraftwerk e. V. erklärte, dass die technologische Machbarkeit der CCS-Technologie außer Frage stehe. Es fehle bis jetzt aber die großtechnische Umsetzung. Die größte Herausforderung sieht von Trotha darin, die öffentliche Akzeptanz für die CCS-Technologie zu gewinnen. Hier verhindere vor allem die emotional geführte Debatte um den Bau neuer Kohlekraftwerke den Dialog. Das zentrale Thema für das Informationszentrum Klima sei deshalb, in der Öffentlichkeit Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit aufzubauen.
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Der Zeitplan sehe vor, dass bis zum Jahr 2015 mit der Speicherung von CO2 in großtechnischem Maßstab begonnen werden soll. „Fairerweise müssen wir eingestehen, dass wir heute noch nicht wissen, ob, wann und wie wir Erfolg haben werden“, so der ehemalige baden-württembergische Wissenschaftsminister Klaus von Trotha. Ferner verwies er auf insgesamt zwölf durch die EU geförderte Forschungsprojekte, von denen zwei mit einem Volumen von 180 Millionen Euro Förderung in Deutschland umgesetzt werden. Den derzeitigen Stand der geologischen Forschung referierte Prof. Dr. Dr. h. c. Reinhard F. Hüttl, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen GeoForschungszentrums in Potsdam. An dem Forschungszentrum wird derzeit in einem von der EU geförderten Projekt die Speicherung von 60.000 Tonnen CO2 in 800 Metern Tiefe erforscht. „Ich glaube, es kann sehr gut gelingen, CO2 über sehr lange Zeit sicher zu lagern“, sagte Hüttl. Man müsse sich die jeweiligen geologischen Formationen jedoch in jedem Einzelfall sehr genau anschauen. Für die langfristige geologische Lagerung kommen ausgeförderte Erdöl- und Gaslagerstätten, tiefe Kohleflöze sowie saline Aquifere, also salzwasserführende Gesteinsschichten, in Frage. Hier seien noch umfangreiche geologische Untersuchungen erforderlich. „Wir sind gut unterwegs,“ so Hüttl, „es gibt viel zu tun und wir brauchen verlässliche gesetzlichen Rahmenbedingungen um in größerem Maßstab weiter arbeiten zu können.“ Als „Advocatus Diaboli“ stellte Dr. Reinhard Grünwald vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) in der Diskussion die Frage, woran CCS scheitern kann. In vielen Klimaszenarien werde die CCS-Abscheidung bereits eingerechnet, obwohl die Machbarkeit noch gar nicht erwiesen sei, so Grünwald. |
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Er gehe davon aus, dass die Technik frühestens im Jahr 2020 im großen Maßstab einsatzbereit sei. Kostenseitig sei zu erwarten, dass CCS-Kraftwerke kein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb mit anderen klimaschonenden Technologien besitzen. Durch den erforderlichen Energieaufwand für die Abscheidung, den Transport und die Einlagerung gehe der Wirkungsgrad der Kohlekraftwerke um 8 bis 14 Prozent zurück, damit zehre CCS den technologischen Fortschritt von drei Jahrzehnten auf. Neben ungelösten Fragen der Speicherkapazitäten und der Leckagedichtheit unterirdischer Speicher seien auch zahlreiche genehmigungsrechtliche Fragen noch ungelöst. Dennoch plädierte Grünwald vor allem aus internationaler Perspektive und vor dem Hintergrund des exorbitant steigenden Kohleverbrauchs dafür, alles zu tun, damit die CCS-Technologie nicht scheitert. So verzeichne China im Zeitraum von 2002 bis 2010 einen Zuwachs von 170.000 MW aus Kohlekraftwerken, alle deutschen Kohlekraftwerke zusammen erreichen 40.000 MW. Damit könne diese Technologie für China attraktiv werden, da das Land seine eigenen Kohlereserven klimafreundlich nutzen könne. Vorrangige Aufgabe ist deshalb, so auch Grünwald, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verabschieden, dass die CO2-Ablagerung in Deutschland zulässig wird und Anreize zu schaffen, dass Investitionen in diese Technologie getätigt werden. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass CCS nicht an der Akzeptanz scheitert. |

Die Referenten bei der anschließenden Diskussion. (Fotos: Wolfgang List)
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