Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg: Forum „Erneuerbare Energien“
 
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Erneuerbare Energien: Wohin geht die Reise?

Die Potentiale der Erneuerbaren Energien und Projekte aus der Energieforschung standen im Mittelpunkt des Forums „Erneuerbare Energien“ der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg am 18. April 2008 in Stuttgart.

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Das Forum zu den Erneuerbaren Energien.
Im Bild v. l. Dr. Wolfram Münch, Dr. Werner Götz, und der Moderator Andreas Mauritz (Foto: W. List)

 

Erneuerbare Energien spielen in allen politischen Konzepten zur Bewältigung des Klimawandels eine zentrale Rolle. In dem im Januar 2008 vorgelegten Richtlinienentwurf der EU-Kommission wird ein Anteil Erneuerbarer Energien von 20 Prozent am EU Brutto-Energieverbrauch im Jahr 2020 angestrebt. Die Bundesregierung will bis dahin den Gesamtenergiebedarf in Deutschland zu 25-30 Prozent mit regenerativen Energieträgern decken. Zum Vergleich: 2006 betrug deren Anteil hierzulande 5,8 Prozent. Im vor kurzem präsentierten Energiekonzept der baden-württembergischen Landesregierung wird für das Bundesland einen Prozentsatz von 20 Prozent als Ziel genannt.


„Magisches Dreieck“ bestimmt das Potential eines Energieträgers

Doch wie können diese Steigerungen erreicht werden? Auf welche Optionen kann die deutsche Energiewirtschaft hierbei zurückgreifen? Vor dem Hintergrund der politischen Zielvorstellungen beschäftigten sich Dr. Werner Götz, Konzernbevollmächtigter Erneuerbare Energien der EnBW Energie Baden-Württemberg AG und Dr. Wolfram Münch, der Leiter des Bereichs Forschung, Entwicklung und Demonstration des Konzerns mit den Perspektiven Erneuerbarer Energien.

 

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Dr. Werner Götz (Foto: W. List)

„Das langfristige Potenzial der Erneuerbaren Energien wird letztlich durch ein »magisches Dreieck« bestimmt“, erklärte Götz. Ob eine Technologie einen nachhaltigen Beitrag zur Energieversorgung von morgen leisten kann, hängt demnach nicht nur von ihrem energetischen Potenzial ab. Sie muss auch auf Akzeptanz stoßen und vor allem wirtschaftlich sein. „Die Kosten Erneuerbarer Energien liegen gegenüber heutigen Marktpreisen teilweise noch erheblich von einer Wettbewerbsfähigkeit entfernt“, betonte Götz. Insbesondere die Photovoltaik sei mit bis mehr als 45 Cent/kWh über dem Marktpreis von 5 Cent noch extrem teuer.
Die Bewertungsmaßstäbe Energetisches Potential und Wirtschaftlichkeit legte Götz an die einzelnen Technologien an: Mit der Wasserkraft sei eine bewährte und etablierte, grundlastfähige Option vorhanden, die nötige Technik ausgereift und günstig. Weitere Potentiale bestehen hier unter anderem in der Kleinwasserkraft, in der Ertüchtigung bestehender Anlagen und in neuen Großprojekten. Allein in Baden-Württemberg seien noch größere Potentiale erschließbar. Die Biomasse, setzte Götz seine Betrachtung fort, sei zwar neben der Windkraft der Bereich mit den größten prognostizierten Potentialen - gleichwohl sei weiteres Wachstum derzeit aber durch die Preissteigerungen bei den Rohstoffen gefährdet. „Eine Zukunft im Wasser“, mit Offshore-Anlagen jenseits der Küsten, sieht der Experte bei der Windenergie. Diese leistet mit knapp 40 Terrawattstunden und einem Anteil von 6,4 Prozent am Stromverbrauch (2007) derzeit den weitaus größten Beitrag der Erneuerbaren. Der Markt in diesem Segment zeichnet sich durch internationalen Wettbewerb um Kapazitäten aus. „Die Windkraft Offshore startet 2008 in Deutschland mit erheblichen Verzögerungen“, so Götz. Bei der Photovoltaik gebe es wegen den hohen Kosten auch weiterhin nur eine begrenzte Investitionseffizienz. Weitere erschließbare Potentiale könnten in der Serienfertigung von Dünnschichtzellen liegen. Auch die Tiefengeothermie biete große Potenziale, die aber erst mittel- bis langfristig zum Tragen kommen werden. „EnBW will ihren Anteil an erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 verdoppeln, was einer Erweiterung von rund 7,5 TWh entspricht. Dabei setzen wir primär auf die Technologiefelder Wind on-shore und off-shore, Wasserkraft und Biomasse“ so der EnBW Konzernbevollmächtigte für Erneuerbaren Energien, Werner Götz.

Erneuerbare Energien in der Energieforschung der EnBW

Welche Rolle Erneuerbare Energien in der Energieforschung spielen, erläuterte Dr. Wolfram Münch, Leiter des Bereichs Forschung, Entwicklung und Demonstration des Energieversorgungsunternehmens. Der Energiebedarf steige weltweit stark an. Fossile Ressourcen seien mittelfristig zwar zu moderaten Preisen verfügbar, wegen der Klimaerwärmung durch CO2-Emissionen seien jedoch neue Lösungen für eine nachhaltige Energieversorgung nötig. „Gefragt“, so Münch, „sind Innovationen für die Steigerung der Energieeffizienz, der Entwicklung neuer Technologien sowie die Nutzung neuer Energien.“ Geeignete Technologien müssten durch Energieforschung wirtschaftlicher gemacht und auf eine breitere technologische Basis gestellt werden. Als bereits etablierte Technologie könne die Wasserkraft beispielsweise durch die Optimierung und den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken weiter verbessert werden. Münch zeigte, wie durch intelligente Prozesse aus Biomasse wie Energiepflanzen, Ernterückständen, organischen Nebenprodukten oder Abfällen, elektrische und thermische „Bioenergie“ erzeugt werden kann.

 

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Dr. Wolfram Münch (Foto: W. List)

Einspeisung von Biogas in das Erdgansnetz

Innovativ sei die Einspeisung Bioerdgas in das Erdgasnetz wie sie in der Bioerdgasanlage im oberschwäbischen Laupheim betrieben wird, weil so die Nutzung an einem anderen Standort als dem der Erzeugung möglich wird. Durch Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmenutzung ließen sich weitere Effizienzsteigerungen erreichen. Beim Bio-Erdgas-Projekt Laupheim erzeugen zum Beispiel 22 Landwirte auf ca. 600 ha Rohstoffe zur Biogaserzeugung. Diese werden vom Erdgasnetzbetreiber Erdgas Südwest ins Netz eingespeist. Eine Perspektive biete auch die Biogasnutzung im BHKW. Hier ist die Durchleitung von Biogas für eine Gasaufbereitung mit mehr als 500-1000 Nm³ Biogas/h und einer Stromerzeugungskapazität von ca. 1-2 MW geplant.

Als weitere viel versprechende Projekte nannte Münch die Entwicklung eines Karbonisierungsreaktors zur Herstellung von „Green coal“ aus Stroh oder Grünschnitt, ein Pilotprojekt zur Walddüngung durch Feuerraum-Asche sowie eine Testanlage zur Frischholz-Festbett-Vergasung, die seit 2006 von den Stadtwerken Düsseldorf mit einer Wärmeerzeugung von 410 kW und einer Stromleistung von 270 kW betrieben wird. Große Potentiale erwartet Münch mittel bis langfristig durch die Nutzung der Erdwärme. Die EnBW investiere unter anderem in Bruchsal in die Tiefengeothermie, wo gemeinsam mit den Stadtwerken ein Geothermiekraftwerk mit ca. 500 kW elektrischer Leistung errichtet wird. Ein weiteres Thema der Energieforschung ist die Bindung von CO2. Neben dem Aufforsten von Wäldern und der CO2-Speicherung in Biomasse könne auch die Mikroalgenkultivierung zur CO2-Bindung beitragen. „Die EnBW plant eine Pilotanlage in der das CO2 eines Biogas-Motoren-BHKW durch eine Mikroalgenzucht gebunden wird.“

 

 
 
   
 
 
 

 
 
   

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© 2012 Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg
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