Ist Cancún noch zu retten?
Kurzbericht zum Diskussionsstand: Vorbereitung des Weltklimagipfels in Cancún
Experten-Gespräch der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg zum Thema
„United Nations Framework Convention on Climate Change: – Chancen für ein neues
Klimaschutzabkommen?“
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Am 06. August 2010 diskutierten im Bonner Maritim-Hotel nationale Verhandlungsführer mit den Vertretern von Forschungsinstituten und Nicht-Regierungs-Organisationen die Ergebnisse der am selben Tag zu Ende gegangenen vorletzten Vorbereitungs- konferenz für den Weltklimagipfel vom 29. November bis 10. Dezember 2010 in Cancún. Neben Delegierten der BASIC-Staaten (die Schwellenländer Brasilien, Südafrika, Indien und China) nahmen Verhandlungsführer aus den LLDC (Least Developped Countries, z.B. aus Afrika) teil. Die Abgeordneten der nationalen Klima- schutzbehörden von Inselstaaten, die unmittelbar vom Anstieg des Meeres- spiegels in ihrer Existenz bedroht sind, diskutierten ihren Standpunkt mit Fach- leuten aus hochindustrialisierten Staaten und der deutschen Verhandlungsleiterin aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
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Einige Teilnehmer der Expertenrunde (v. l. n. r.): Herr Kunihiko Shimada, Frau Ellina Levina, Herr Dietrich Borst, Herr Martin N. Sishekanu, Herr Christoph Bals, Frau Dipl.-Ing. Brisa Ortiz, |
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Mit dem Kyoto-Protokoll hatte sich die internationale Staatengemeinschaft zum ersten Mal auf eine konkrete Reduktion von Treibhausgasen geeinigt. Die Ziele, zu denen sich die Nationalstaaten in diesem Rahmen verpflichtet haben, werden nach wie vor nicht in Frage gestellt. Die Chancen, auf dem Weltklima- gipfel in Cancún zum Jahresende eine verbindliche Nachfolgeregelung für die Ende 2012 auslaufenden Verpflichtungen zu erzielen, sind jedoch fragil. Wie aus dem Kreis der Verhandlungsführer verlautete, wurden auch in dieser dritten Vorbereitungskonferenz weiter Fakten in die Diskussion eingebracht, anstatt mit konsensorientierten Verhandlungen zu beginnen. Akuter Handlungszwang Wie der Moderator des Abends, Dr. Rolf Linkohr, eingangs nochmals nachdrücklich klarstellte, ist der anthropogene Ursprung des Klima- wandels mit seinen Begleit- erscheinungen Naturkatastrophen, Luftverschmutzung, Anstieg des Meeresspiegels eine wissenschaftlich belegte Tatsache. Vor diesem Hintergrund haben sich die AOSIS- (Alliance Of Small Island States) und afrikanischen Staaten organisiert, um ihren Standpunkt im Text eines neuen Abkommen stärker einzubringen. Sie sind mittlerweile unmittelbar von den Konsequenzen des Klimawandels betroffen. Der Leidensdruck aus monatelangen Dürreperioden und extrem heißen Sommern bei einer aktuellen Erwärmung um lediglich 0,8°C im Vergleich zum präindustriellen Zeitalter zwingt die betroffenen Staaten, auch unabhängig vom Erfolg der Verhandlungen bilaterale Kooperations- möglichkeiten auszuloten. Sie befürworten eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf nur noch 1,5°C. Die Situation ist inzwischen derart gravierend, dass die Inselstaaten nicht mehr über die Verursacher diskutieren, sondern um Soforthilfe bitten zur Stabilisierung des Küstenniveaus und Wiederaufbau der Mangrovenfelder, auch mit dem Argument, die Adaptationskosten seien weit höher als die Kosten von Mitigation und einer Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen. Paralyse durch die innenpolitische Situation in den USA? Nach den Wahlen im Frühjahr 2011 werden die Republikaner ihre Mehrheit im US-Senat voraussichtlich ausbauen. Eine globale Allianz unter Einbindung der |
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USA ist deshalb unrealistisch. Daran wird auch Präsident Obamas innenpolitische Initiative, CO2 vor der EPA zur „dangerous substance“ erklären zu wollen, nichts ändern. Die USA versichern, ihren eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen; durch welche konkreten Maßnahmen dies national umgesetzt wird, kann und darf hier keine Rolle spielen. Wie am Rande der Konferenz verlautete, honorieren die LLDC und die AOSIS-Staaten in diesem Zusammenhang die Bereitschaft der EU, auch ohne die USA regionale Übereinkünfte für CDM und Technologietransfers zu treffen. Sollten sich allerdings die Industrie- oder Schwellenländer darauf versteifen, nur unter Einbeziehung der USA rechtlich verbindliche Zusagen zu geben, ist absehbar, dass der Kyoto-Prozess in einer Abwärtsspirale von unverbindlichen nationalen Absichts- erklärungen kollabiert. Wettbewerbsnachteil oder first mover advantage? Die EU-Mitgliedstaaten haben sich zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes um 20% bis ins Jahr 2020 kompromittiert. Wirtschaft und Industrie haben ihre Befürchtungen manifestiert, sich zu Produktionsverlagerungen in weniger klimaambitionierte Regionen gezwungen zu sehen, zumal wenn die Schwellenländer die Ergebnisse kostenintensiver Entwicklungen dritter Staaten abwarten. Die EU-Regierungen setzten dagegen auf einen Technologievorsprung und Wettbe- werbsvorteil durch Innovation. Mit der Umsetzung der Reduktionsvorgaben in nationales Recht hat die EU jedenfalls verlässliche wirtschaftliche Rahmen- bedingungen geschaffen. Gleiches Emissionsrecht für alle? Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern Auffallend bei der gerade beendeten Verhandlungswoche war allgemein das gestiegene Selbstbewusstsein der BASIC-Staaten. Als bevölkerungsreiche big emittors fokussieren sie sich nicht auf Anpassungsmaßnahmen, sondern setzen ihren Schwerpunkt auf die Reduktion des Emissionsvolumens. Dabei lehnen sie es ab, ihre wirtschaftliche Entwicklung den Regelungen der traditionellen Industriestaaten zu unterwerfen. |
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Gleichzeitig ist eine Entkoppelung des Wirtschaftswachstums von der Treibhausgasproduktion eine Frage, der sich Industrie- wie auch Schwellenländer stellen. Aber wie hoch können Ausgleichszahlungen sein, ohne dass Mittelkürzungen bei der Erforschung erneuerbarer Energieträger die Folge sind? Welche Umsetzungschancen bestehen andererseits für Maßnahmen, die an exogene Finanzierung gekoppelt sind? Und über welchen Spielraum verfügen die Industriestaaten gegenüber innenpolitischen Klimakonzepten, die mit dem Bestand fossiler Energieerzeugung verknüpft sind? Denkbar sind vor diesem Hintergrund ein regionales Emis- sionshandelssystem oder bilaterale CDM. Was kann in Tianjin und Cancún erreicht werden? Fast unmöglich erscheint eine Einigung auf dem Gebiet des internationalen Handels mit Emissionszertifikaten. Da eine UN-kontrollierte Ausgabe der Zertifikate nicht realistisch ist, muss zumindest eine regionale Ver- gleichbarkeit sichergestellt sein, sonst ist ein klimapolitischer Verschiebebahnhof die Folge, bei dem emissionsintensive Produktion an Regionen mit überproportionalem Finanzierungs- bedarf verlagert wird. Dies würde jedoch nicht nur die wenig industrialisierten Staaten in ein perpetuiertes Stadium am untersten Ende der globalen Wert-schöpfungskette zwingen, sondern wäre auch klimapolitisch ein Null- summenspiel. Stirbt der Kyoto-Prozess? Langjährige Beobachter der Konferenz sind sich mit nationalen Verhandlungsführer darüber einig, dass bis Jahresende kein weltweit rechtlich verbindliches Abkommen zustande kommt; dies ist frühestens Ende 2011 in Südafrika der Fall. Erreicht werden könnte aber ein Paket zur Adaption an die bereits spürbaren Konsequenzen des Klimawandels. Damit verbunden sind bilaterale oder regionale Kooperationsvereinbarungen zum Technologietransfer und parallel ein mittelfristig ausgelegtes Forschungs- und Kapazitätsbildungsprogramm. Realistisch ist auch eine Einigung über einen Klimafonds und ob dessen Struktur innerhalb der UNFCCC oder in Kooperation mit Institutionen wie der Weltbank geschaffen und wie die Gelder eingesetzt werden sollen. Klarheit über die Finanzierungsquellen dieses Fonds wird es jedoch auch in Cancún noch nicht geben. |
« (...) Je me rappelle de (...) la session de Juin 2009 (...) où (...) nous sommes passés d'un document de 53 pages à un autre de 200 pages, histoire qui s'est reproduit durant cette session… il faut penser à une nouvelle stratégie pour mener le procès, je ne sais pas comment mais chose est certe c'est que la procédure suivie maintenant n'est pas vraiment adéquate. Je pense aussi que les résultats à Cancun dépendent essentiellement du progrès des négociations à Tianjin, où des négociations sérieuses et un progrès remarquable sont recommandés pour pouvoir s'échapper à revivre l'échec de Copenhague.
En ce qui concerne les obstacles qui font face aux progrès, je présume que les discussions entre les pays Annexe 1 freinent sur la responsabilité commué mais différenciée, et le progrès dépend principalement de l'engagement des États-Unis (...)
Entre pays Annexe 1 et Non-Annexe 1, plusieurs points sont causes du blocage (...): (...)
* Tentative des pays Annexe 1 d'imposer des engagements de réductions des … [émissions] aux pays Non-Annexe 1, au lieu d'actions qui doivent être soutenues techniquement et financièrement par les pays développés, et leur intention de négliger la responsabilité historique, acte qui crée une frustration des pays Non-Annexe 1 à chaque session de négociations, et donc leur démotivation à poursuivre les négociations tant que la situation persiste.
* Le maintien des fonds et sources non disponibles (non communiquées et procédures non déterminées) pour prendre les questions d'adaptation et d'atténuation au sérieux (...) j'estime que la question des fonds pour l'adaptation, l'atténuation et le transfert des technologies sont les premières décisions qu'il faut conclure avant de passer à Cancun…
Pour l'Algérie, les effets négatifs des (...) [changes climatiques] commencent à apparaitre clairement (sècheresse, rareté des ressources en eaux, maladies ...), et des actions d'adaptation, aussi bien que le transfert de technologie et le renforcement de capacités pour y faire face à ces conséquences sont d'une extrême urgence. »
(Amel Zouaoui, Chef de Service Veille Technologique, Centre National des Technologies Plus Propres, Ministère de l'Aménagement du Territoire, de l'Environnement et du Tourisme, Algier/Algerien)
"I do not think there has been any progress in the negotiations last week that paved the way for further steps forward. Restating positions and creating wish lists are not the best ways to come to a consensus. The only positive moment that I can see is that parties continue the dialogue and learn to understand each other better. However, I do not think it is enough to have a global agreement (...)
I am not too optimistic about any major progress that can be achieved in Tianjin. Although, it is hard to make predictions without knowing whether and what kind of internal dialogues on climate change are happening within each country (...)
I think it is unlikely that a legally binding agreement will be achieved in Cancun. The reasons for this pessimism are the following:
1) there is a big difference in views on what the final outcome should look like and on the legal nature of the outcome;
2) there are too many complicated issues that are being negotiated simultaneously, and it is hard to see how a consensus could be achieved on all of them at once;
3) the political will that was there in Copenhagen will be hard to mobilize again in this short time frame (between Dec 2009 and Dec 2010)
On a positive note, things are moving in the real world: new technologies are being developed and tested; carbon policies are being discussed and implemented nationally; climate funds are being created; new research is being developed on mitigation and adaptation; bilateral and multilateral cooperation and partnerships are being built on mitigation, adaptation, REDD; researchers are providing a vision on a low carbon future and arguing that this future is affordable and technologically feasible; public awareness on climate change is growing around the world, etc. Maybe climate negotiations will catch up with the real world at some point?"
(Ellina Levina, Energy Analyst, International Energy Agency, Paris/Frankreich)
"... How governments achieve the next essential step is up to them. But it's politically possible. (...) More stringent actions to reduce emissions cannot be much longer postponed and industrial nations must lead. (...) Governments need to achieve clarity on how institutional arrangements, particularly financial arrangements, lock into other issues (...) For example, how could institutional arrangements for financing be linked most effectively to an operational technology mechanism or action on adaptation (...)
This week has given governments a final opportunity to be clear on their individual stances. Tianjin has to be the place where they make clear what their collective stance is going to be."
(UNFCCC-Generalsekretärin Christiana Figueres, aus: Presse-Mitteilungen)
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