Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg: Debatten-Abend „Regelungs- und Finanzierungsinstrumente für den Klimaschutz"
 
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Debatten-Abend der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg

Vor dem Hintergrund der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen referierten beim Debattenabend der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg am 8. Dezember renommierte Experten zum Thema „Regelungs- und Finanzierungsinstrumente für den Klimaschutz“. In Stuttgart stellten Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Stellvertretender Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Dr. Roland Geres, Geschäftsführer der FutureCamp Holding GmbH sowie Dr. Rudolf Schulten, Finanzvorstand der EnBW, vor geladenen Gästen ihre Thesen zur Diskussion.

„Wir leiden nicht an einer Knappheit fossiler Energieträger, sondern der Deponieraum in der Atmosphäre ist begrenzt“, brachte Prof. Edenhofer in seinem Vortrag „Global Deal - Eckpunkte für eine globale Klima- und Energiepolitik“ die Problematik auf den Punkt. Voraussetzung, um die Risiken des Klimawandels zu begrenzen, sei, dass ein Großteil der noch in großen Mengen vorhandenen Kohle im Boden bleibe. Die Nutzung des verbleibenden Deponieraums in der Atmosphäre, die für das 21. Jahrhundert mit etwa 285 GtC berechnet wurde, könne über einen globalen Handel von Emissionsrechten gesteuert werden, der die wichtigsten Hauptemittenten sowie Exporteure und Importeure von CO2 erfasst. Dafür müssten die auf der ganzen Welt entstehenden nationalen Emissionshandelssysteme schrittweise in ein globales System integriert werden.

 

 

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Die Akteure des  Debattenabends (v. l. n. r.): Dr. Rudolf Schulten, Dr. Wieland Backes,
Prof. Edenhofer, Dr. Roland Geres (Foto: W. List)

Entwicklungsländer müssen in fairen Deal einbezogen werden

Die politischen Verhandlungen zum Klimaschutz seien, so Edenhofer, deshalb so schwierig, weil es in der Wahrnehmung der Akteure einen Zielkonflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Klimaschutz gibt. In der Vergangenheit ging die Überwindung von Armut und das Erreichen von Wohlstand stets mit der Verbrennung fossiler Energieträger einher: „Die vermögendsten Länder haben die größte Kohlenstoffschuld“. Die Frage laute, wie ein weltweites Energiesystem künftig zu akzeptablen Kosten Wirtschaftswachstum mit ambitioniertem Klimaschutz vereinbaren kann. Szenarien des Weltklimarates zeigten, dass dafür ein „dramatischer“ Strukturwandel nötig sei. Als Grundkomponenten eines neuen Energiesystems nannte Edenhofer einen hohen Anteil Erneuerbarer Energien, die Nutzung von Biomasse - auch verknüpft mit CCS, weil dadurch negative Emissionen erzeugt werden können - Kernenergie, Öl, Gas sowie Kohle – deren Nutzung jedoch mit Kohlenstoffabscheidung und –einlagerung verbunden werden müsse. „Die Transformationsprozesse sind gewaltig“, unterstrich Edenhofer. „Wenn wir ein solches Energiesystem ins Werk setzen wollen, dann ist das ohne gewaltige Investitionen in die Infrastruktur undenkbar.“ Im Weltklimarat gehe man davon aus, dass der Umbau des weltweiten Energiesystems zwischen einem und drei Prozent des weltweiten Sozialproduktes kosten würde. Entscheidend sei die Bereitschaft der Bevölkerung, diesen Strukturwandel mitzutragen.


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Prof. Ottmar Edenhofer


Die Entwicklungsländer werden sich, so Edenhofers Einschätzung, „nur dann zur CO2 Reduktion verpflichten, wenn sie sehen, dass sie in einen fairen Deal einbezogen werden. Er veranschaulichte die Problematik mit einer Allegorie: „Zehn Menschen wandern in der Wüste mit einem begrenzten Wasservorrat. Zwei davon haben den Vorrat schon zur Hälfte ausgetrunken. Wenn diese beiden vorschlagen, den Rest gleich aufzuteilen, werden die anderen das ungerecht finden. Der einzige Ausweg ist, dass die Beiden beauftragt werden, die nächste Oase zu suchen, weil sie die körperlichen Möglichkeiten dazu haben.“ Edenhofer plädierte für einen „globalen Deal“ für den Klimaschutz. Dieser müsse neben einem weltweiten CO2 Markt, drastisch gesteigerten Investitionen in die Energieentwicklung und der Vermeidung von Entwaldung einen Anpassungsfonds für Entwicklungsländer beinhalten, um diese bei der Bewältigung der Folgen der Erderwärmung zu unterstützen.

 

 

 

Globaler Klimaschutz, Emissionshandel und projektbezogene Mechanismen nach 2012

Die internatioale Klimapolitik stehe vor entscheidenden langfristigen Weichenstellungen, erklärte Dr. Roland Geres vom Beratungsunternehmen FutureCamp Holding GmbH in seinem Vortrag „Globaler Klimaschutz, Emissionshandel und projektbezogene Mechanismen nach 2012“. Im Mittelpunkt stehe die Ausgestaltung und Weiterentwicklung des Kohlenstoff-Marktes, wobei der Emissionshandel hier weiterhin das Leitinstrument bleibt, so seine These.

Geres erläuterte die im Kyotoprotokoll von 1997 geschaffen Mechanismen im Emissionshandel Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation (JI). Beim CDM investieren Industrieländer oder dort ansässige Unternehmen in Projekte zur Emissionsreduktion in Entwicklungs- oder Schwellenländern ohne Reduktionsverpflichtungen, um sich Emissionsgutschriften, Certified Emission Reductions (CER), gutschreiben zu lassen. Bisher sei das Thema vorwiegend durch den Finanzsektor getrieben gewesen, inzwischen komme dieser Mechanismus aber zunehmend in der Realwirtschaft an. Dabei nimmt, so Geres, der Anteil deutscher Unternehmen zu, inzwischen würden rund fünf Prozent der CER aus CDM Projekten ihren Weg nach Deutschland finden. Es habe lange gedauert, bis in deutschen Unternehmen entsprechend spezialisierte Bereiche entstanden sind und auch exportorientierte Industrieunternehmen den Mechanismus nutzen. „CDM ermöglicht es europäischen Anlagenbetreibern, preisgünstige Reduktionspotenziale auf der ganzen Welt zu nutzen, um ihre CO2 Minderungspflicht zu erfüllen.“ Mit diesem Mechanismus sei schon heute ein Verbindungselement zwischen nationalen und regionalen Emissionshandelsystemen vorhanden. Nicht nur die europäischen Anlagenbetreiber könnten die Gutschriften aus CDM-Projekten einsetzen, sondern in Zukunft auch amerikanische Unternehmen. „Wenn das in den USA geplante Emissionshandelssystem mit einer Größenordnung von etwa 6 Mrd. Tonnen pro Jahr umgesetzt wird, ist Europa schnell nicht mehr die treibende Kraft des Emissionshandels und wird sich dann auch auf dem Emissionshandelsmarkt mit neuen Parametern auseinandersetzen müssen.“

Im Gegensatz zu CDM betrifft Joint Implementation Projekte zur CO2 Reduktion in Industrieländern. Bei den erwarteten Emission Reduction Units (ERUs) aus JI-Projekten belegt Deutschland Platz zwei. „Das Beispiel Deutschlands zeigt das Zusammenwirken von Emissionshandelssystemen mit projektbezogenen Mechanismen“, erklärte Geres. In Deutschland gibt es im JI-Bereich sowohl große Projekte, beispielsweise in der Chemieindustrie oder im Bergbau, wo Projekte zur Vernichtung nichtnutzbaren Grubengases laufen, als auch Projekte die auf Energieeffizienzsteigerungen in kleineren Dimensionen abzielen und tausende Einzelhaushalte miteinbeziehen. „Solche Projekte werden auch im internationalen Kontext immer wichtiger“, wie Geres betonte.

Unabhängig vom Ausgang der Konferenz in Kopenhagen könne ein neues Emissionshandelssystem jedoch nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Auch wenn europäische Pläne neben projektbezogenen Mechanismen verbundene Emissionsrecht-Handelssysteme, ordnungsrechtliche Instrumente sowie sektorale Mechanismen vorsähen, bleibe es daher auch über 2012 hinaus für Unternehmen auf absehbare Zeit wichtig, mit JI und CDM umgehen zu können.

 

Beitrag der Energieversorger zur Klimapolitik

Für den Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg AG sei die zentrale Frage, wie die notwendige CO2 Reduktion möglichst effizient und kostengünstig erreicht werden kann. Dies führte Dr. Rudolf Schulten, Finanzvorstand des Unternehmens in seinem Vortrag „Beitrag der Energieversorger zur Klimapolitik“ aus. Eine Reduktion der CO2-Emissionen könne über ökonomische Anreizmechanismen erreicht werden. Schulten plädierte dafür, mögliche Maßnahmen zur CO2 Reduktion anhand ihrer Kosten zu priorisieren und an der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit zu messen. „Überambitionierte und durch staatliche Kontrollen ausgelöste Vorschriften sind ökonomisch weniger effizient.“ Als kurzfristige Maßnahmen empfiehlt sich nach diesem Szenario eine Verlängerung der Kernenergienutzung, da sie zu den relativ niedrigsten Kosten zur höchsten CO2 Emissionsvermeidung führen würde. Schnell und kostengünstig umzusetzen seien auch Effizienzmaßnahmen im Bereich des Energieverbrauchs, CDM- und JI-Projekte sowie der Ausbau Erneuerbarer Energien wie Wind, Wasser und Biomasse. Als heute noch sehr unsicher und mit hohen Kosten und Risiken verbunden bewertet Schulten CCS-Technologien. Im Sinne der genannten Priorisierung hat die EnBW eine Kampagne für sparsamen und effizienten Energieverbrauch gestartet. Weitere konkrete Maßnahmen sind der Bau hocheffizienter Kraftwerke, „Retrofit“-Maßnahmen bei bestehenden Kraftwerken sowie das Engagement des Unternehmens im Bereich Erneuerbare Energien. Auch prüfe man aktuell die Umsetzung von CDM Projekten.

Diskussion: Einigkeit über marktwirtschaftliche Lösungsstrategie

Es sei ein Fortschritt, dass die Klimadiskussion heute keine primär umweltpolitische Diskussion sondern in der Zwischenzeit eine energie- und wirtschaftspolitische Diskussion sei, betonte Dr. Edenhofer in der anschließenden von Dr. Wieland Backes moderierten Diskussion. Die Referenten waren sich weitgehend darin einig, dass der Handel mit Emissionsrechten sich als ein geeignetes Instrument für den Klimaschutz bewährt hat. „Der Markt bringe die effizientesten Lösungen zustande“, so Schulten. „In Zukunft werden wir dem Markt neben unserem Wohlstand auch unseren Umweltschutz verdanken. Mit einer zentralen Lenkung würde das nicht gelingen.“ Auch Edenhofer plädierte für marktwirtschaftliche Lösungen. „Man muss aber auch sehen, dass wir durch das marktwirtschaftliche System des Emissionshandels einen Deckel definieren, damit ein Großteil fossiler Ressourcen im Boden bleibt - ökonomisch ist das nicht mehr und nicht weniger als eine Teilenteignung der Anbieter von Kohle, Öl und Gas.“ Für Geres ist nicht entscheidend, ob es im Emissionshandel neben privatwirtschaftlichen auch staat-liche Akteure gibt. Es sei vorstellbar, dass Staaten mit einem ausgeprägten staatlichen Führungsanspruch wie China oder Staaten ohne funktionierende ökonomische Infrastruktur auch staatliche Akteure als Träger von Projekten integrierten und den Emissionshandel als Instrument auf Staatenebene einsetzen. „Entscheidend ist, dass der ökonomische Anreiz der Investition beim Entscheidungsträger der Investition ankommen muss.“

 

 

 
 
   
 
 
 
   

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© 2012 Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg
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