Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg: Debatten-Abend „Kochen - Feuer & Flamme"
 
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„Kochen – Feuer und Flamme“ –

oder wie sich das Essen auf die Umwelt auswirkt.

Auch das Kochen hat etwas mit Energie und Klimaschutz zu tun. Bei der Veranstaltung „Kochen Feuer und Flamme“ in Ludwigsburg wurde gezeigt, wie ein innovativer Pflanzenölkocher nachhaltig Ressourcen in Entwicklungsländern schont. Weitere Themen waren energieeffiziente Kochsysteme, die „Slow Food“ Bewegung und die Bedeutung von Weinbergen für die heimische Kulturlandschaft.

Die Abendveranstaltung unter dem Titel „Kochen –Feuer und Flamme“ am 20. November 2008 im Seeschloss Monrepos wurde gemeinsam mit NatureLife-International ausgerichtet, einer Stiftung für Umwelt, Bildung und Nachhaltigkeit. „Was wir essen zeigt, was wir uns wert sind“, eröffnete NatureLife Präsident Senator e. h. Claus-Peter Hutter, der den Abend moderierte, das Vortragsprogramm im Rahmen eines Menüs bei dem ausschließlich regionale Produkte serviert wurden.

Problem offene Feuerstellen:
Koch-Alternativen für die Dritte Welt

Die erste kulinarische Spezialität des Abends – Neckarfischle aus dem Pflanzenölkocher – leitete bereits das erste Thema ein. Die Geschichte zu dem verwendeten Kochgerät zeigt, welche Probleme der Kochenergiebedarf in Entwicklungsländern aufwirft. Entwickelt wurde der Kocher am Institut für Agrartechnik in den Tropen und Subtropen der Universität Hohenheim. „Für uns ist Kochen: Herd einschalten, fertig, los“, sagte der ehemalige Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Werner Mühlbauer in seinem Vortrag ‚Koch-Alternativen für die Dritte Welt’. „Viele Menschen in Asien oder Afrika müssen bis zu einem Drittel ihrer Zeit für die Suche nach Brennmaterial aufwenden. Strom oder Gas stehen nur Privilegierten zur Verfügung“. Drei bis vier Milliarden Menschen kochen mit Brennholz. Dieses ist oft teurer als Lebensmittel und in vielen Regionen nicht ausreichend verfügbar. Dazu kommt: Die Holzverbrennung produziert große Mengen CO2 und gesundheitsschädliche Emissionen. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich 1,6 Millionen Menschen durch Emissionen aus offenen Feuerstellen. Verkarstungen, Erdrutsche und Überschwemmungen durch das Abholzen von Wäldern sind weitere problematische Folgen. Auch das Verheizen von Dung und Pflanzenresten ist ein Teufelskreis, erklärte Mühlbauer, weil dieses Material so dem Stoffkreislauf entzogen werde. Keine Alternative seien Solarkocher. Sie lieferten nur eine Maximalleistung von 250 Watt, zum Kochen brauche man aber mindestens 2 KW. Außerdem könne der Kocher nur im Freien verwendet werden und da „stellt jede Wolke den Kocher ab“. Mühlbauer nahm sich mit Unterstützung eines Doktoranten dieser Problemlage an und konstruierte in fünfjähriger Arbeit einen Kocher, der mit Pflanzenöl betrieben wird.
  Pflanzenölkocher: Soziales Projekt mit
ausgeklügeltem Geschäftsmodell

Dass dieser heute erfolgreich im Einsatz ist, ist auch einem Zufall zu verdanken. Ein leitender Mitarbeiter von BSH Bosch Siemens Hausgeräte GmbH hatte einen Zeitungsbericht über den Prototypen in die Hände bekommen, berichtete Mühlbauer. Das Unternehmen zeigte Interessiere und beschloss nach einer ausgiebigen Prüfung, den Pflanzenölkocher als soziales Projekt unter dem Produktnamen ‚Protos’ zur Serienreife zu entwickeln. Samuel Shiroff, BSH Bereichsleiter Vertrieb International, beschrieb die Vorgaben für dieses Projekt: Der Pflanzenölkocher musste einfach und sicher konstruiert sein, einen niedrigen Preis haben und für alle Arten von Pflanzenöl geeignet sein, auch für verbrauchtes Frittierfett oder ähnliche billige Brennstoffe. Mit einem Liter Pflanzenöl kann der Kocher, der eine Leistung von 2 bis 2½ kW hat, drei bis vier Stunden betrieben werden. „Der Kocher hilft, die Abholzung von Wäldern zu vermeiden, ist CO2 neutral und es entstehen keine giftigen Emissionen“, so Shiroff. Um auf den erzielbaren Marktpreis von 22 Euro zu kommen, ohne „draufzulegen“, entwickelte man bei BSH ein innovatives Geschäftsmodell, denn, so Shiroff, „alleine die Produktion des Kochers kostet mehr, als die Menschen bereit sind, dafür zu bezahlen“. Bei der Finanzierung werden deshalb auch durch den Kocher eingesparte externe Kosten durch die Faktoren Umwelt- und Gesundheitsschutz berücksichtigt - so fließen in Protos beispielsweise auch Mittel durch den Verkauf von CO2 Zertifikaten und von der WHO. Produziert wird der Kocher in den Zielländern, zum Beispiel in Indonesien, um dort Beschäftigung zu schaffen. Zum Einsatz kommt der Pflanzenölkocher übrigens nur in Regionen, wo es Öl im Überfluss gibt, damit kein als Nahrungsmittel geeignetes Öl verheizt wird. Beispielsweise in Indonesien oder auf den Philippinen, wo es genügend Palm- und Kokosöl gibt, nicht aber in Afrika.

„Lebendiger Weinberg“ und
„Slow Food“

Christian Lintz, der Betriebsleiter des Weinguts Herzog von Württemberg, berichtete vom Projekt „Lebendiger Weinberg“ bei dem alte Weinberglandschaft mit Trockenmauern und Begrünung zwischen den Rebzeilen wieder reaktiviert werden.

 

 

Ziel sei es, die Kulturlandschaft Weinberg zu erhalten, so Lintz, der aufzeigte, dass es rund 14,8 Milliarden Euro kosten würde, die Weinbergslandschaft in dieser Form neu anzulegen.

Lebensmittel sollten „nachhaltig und regional“ konsumiert werden, so das Statement von Otto Geisel, dem Vorsitzenden von Slow Food Deutschland und Patron des Hotels Victoria in Bad Mergentheim. Die aus Italien stammende „Slow Food“ Idee, die auch in Deutschland immer mehr Anhänger gewinnt, sei eine Geisteshaltung, erklärte Geisel. Das Motto von Slow Food sei „Gut, sauber und fair“, was auch eine faire Bezahlung der Erzeuger einschließt. Es kommt bei Slow Food darauf an, Produkte nicht nur aus Gourmetsicht zu bewerten, sondern ganzheitlich zu betrachten. Beispielsweise hinsichtlich der Produktionsbedingungen, etwa ob Fleisch aus artgerechter Haltung stammt, und der Herkunft. Geisel forderte „Respekt vor der Kreatur“: Das Filet mache nur 1,8 Prozent eines Rinds aus „wir aber sind zu Flietfressern mutiert.“ Man könne sich außerdem bewusst machen, „was gedeiht vor der Haustür?“ Der Gastronom nannte als Beispiel das Hohenloher Land, wo es 7.000 landwirtschaftliche Kleinbetriebe gibt. Hier wird aktiver Naturschutz praktiziert, etwa durch die Züchtung des Limpurger Rindes, einer alten, vom Aussterben bedrohte Rasse, von der es, so Geisel, zeitweise bei uns noch 17 Tiere gab.

„Energieeffizienz in Großküchen“

Abgerundet wurde der Abend durch den Vortrag des Ludwigsburger Unternehmers Max Maier. Der Inhaber der Unternehmensgruppe Max Maier, zu der auch ein Hersteller professioneller Küchentechnik aus Reutlingen gehört, zeigte auf, wie mit moderner Küchentechnik im täglichen Gebrauch Energie und Wasser eingespart werden kann, ohne Einbußen bei der Qualität.

Kantine, Krankenhaus oder Seniorenheim- in Industrieländern wie Europa essen die Menschen zum Großteil mindestens einmal am Tag nicht zuhause, sondern werden durch Großküchen ernährt. Hier bietet die Unternehmensgruppe Max Maier über die Firmen „Rieber“ und „Eisfink“ Systemmodule an, die nach dem heutigen Stand der Technik 10 mal effizienter seien, als die konventionelle Küchentechnik.

 

 

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Die Protagonisten des Abends (v. l. n. r.): Otto Geisel, Max, Maier, Christian Lintz, Samuel Shiroff, Prof. Werner Mühlbauer. Dr. Hans-Josef Zimmer und Claus-Peter Hutter (Foto: W. List)

 

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Protos - der innovative Pflanzenölkocher (Foto: W. List)

 

 

 
 
   

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© 2012 Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg
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