Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg: Debatten-Abend „Drohende Stromlücke - Phantasie oder Wirklichkeit?"
 
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Drohende Stromlücke - Phantasie oder Wirklichkeit?


Ist die Stromversorgung in Deutschland gefährdet? Diese Frage wurde bei einem von der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg gemeinsam mit demWirtschaftsministeriumdes Landes ausgerichteten Debattenabend am16. Juli in Stuttgart im Hotel am Schlossgarten erörtert. Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena), und Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sowie der Humboldt Universität Berlin stellten ihre Thesen zur Diskussion. Unter den Teilnehmern der vom SWR-Fernsehmoderator Dr. Wieland Backes moderierten Veranstaltung waren auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister und EnBW-Technikvorstand Dr. Hans-Josef Zimmer.

Strom wird knapp, warnt eine dena-Studie, die im März 2008 vorgelegt wurde und seitdem kontrovers diskutiert wird. Gehen Kernkraftwerke und ältere konventionelle Kraftwerke wie vorgesehen vomNetz, reichen demnach die verbleibenden Kraftwerkskapazitäten ab 2012 nicht mehr aus, um die Jahreshöchstlast in Deutschland zu decken. Die Studie nennt eine fehlende Kraftwerksleistung von 11 664 MW bis 2020.

Sowohl erneuerbare Energien als auch
Großkraftwerke nötig


Diese Rechnung geht von einer Verdoppelung der Energieeffizienz bis zum Jahr 2020 aus, erklärte Stephan Kohler in seinem Vortrag „Strategien für die gesicherte Stromversorgung in Deutschland. Kurzanalyse der Kraftwerks- und Netzplanung bis zum Jahr 2020“.

 

Stronlücke

Die Akteure des spannenden Debattenabends (v.l.n.r.): Dr. Wieland Backes, Prof. Claudia Kemfert, Dr. Hans-Josef Zimmer, Minister Ernst Pfister und Stephan Kohler

Angesichts der bestehenden Unsicherheiten bei einigen Projekten, so Kohler, gehe er heute sogar von einer fehlenden Kraftwerksleistung in der Größenordnung von bis zu 15 000 MW aus. Kohler plädierte für den Bau neuer und effizienter Kohle- und Erdgaskraftwerke und für mehr Wettbewerb im Stromsektor. Die Integration zentraler und dezentraler Stromerzeugungseinheiten müsse optimiert werden. Dabei brauche man sowohl mehr erneuerbare Energien als auch Großkraftwerke zur Stabilisierung der Versorgungsstruktur. „Für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung ist die Energieeffizienz entscheidend“, betonte Kohler. Diese müsse entlang der Energiekette erhöht und erneuerbare Energien in allen Bereichen verstärkt eingesetzt werden. Dies diene dem Klimaschutz und schaffe Zukunftsmärkte. „Zur Sicherstellung einer sicheren, risikoarmen und nachhaltigen Energieversorgung ist ein gesellschaftlicher Konsens über die Notwendigkeit der Erneuerung des Kraftwerksparks und über den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland herbeizuführen“, so Kohlers Fazit.


Deutschland braucht ein Energieministerium


Energiepolitik bewegt sich im Dreieck Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit, so Claudia Kemfert zur Frage „Stromlücke – ja oder nein?“

 

 In der aktuellen Diskussion werde das Thema Versorgungssicherheit jedoch viel zu wenig beachtet. Anhand einer „Sterbekurve“ stellte sie den zu erwartenden Rückgang der Nutzung verschiedener Energieträger in Deutschland dar. Insbesondere auf die Ressourcen Öl, Steinkohle und Uran könne künftig durch Verknappung und Verteuerung, bzw. durch den Atomausstieg nicht mehr wie bisher zugegriffen werden. Bis zumJahr 2030 ergibt sich demnach die zwingende Notwendigkeit, Ersatzkapazitäten im Kraftwerksbereich von bis zu 40 000 MW zu schaffen. Auf europäischer Ebene bezifferte Kemfert den Bedarf auf 200 000 MW.

Die Frage, ob die Versorgungssicherheit gefährdet sei, beantwortete Kemfert mit „Jein“. Einerseits würden erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 ein Viertel oder mehr des benötigten Strombedarfs liefern, auch die Energieeffizienz werde verbessert. Andererseits stelle sich die Frage, wie die wegfallenden Kapazitäten durch den Atomausstieg kompensiert werden sollen. Eine Diskussion, so Kemfert, die in Brüssel und den anderen europäischen Ländern ohnehin niemand verstünde. Notwendig ist eine zentrale Energiepolitik, so ihre Forderung. „Deutschland hat keine Stromlücke, Deutschland hat eine Informationslücke und eine Politiklücke“. Deshalb müsse ein Energieministerium geschaffen werden, das die

 

Ansprüche von Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit des Energiemarktes verbindet und über die Kompetenzen verfügt, Planungssicherheit in der Energiewirtschaft zu gewährleisten.

Die Politik muss mehr tun

„Die Politik muss mehr tun“, erklärte Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister in der anschließenden Diskussion. Das Land habemit seinem Energiekonzept 2020, das imBlick auf die Stromproduktion im Jahr 2020 auf 50 % Kernenergie, 30 % fossile Energie und 20 % erneuerbare Energie setze, einen realistischen Fahrplan für die nähere Zukunft entworfen. Auf Bundesebene fehle jedoch bis heute eine klare Aussage, woher bei dem vom Bund angestrebten Anteil von 30 % regenerativer Energien an der Stromproduktion die dann noch fehlenden 70 % kommen sollen. Umso vernehmbarr müsse man in Baden-Württemberg die Stimme erheben. In einem so hoch industrialisierten Land sei auch mit Blick auf den Strom die Versorgungssicherheit untrennbar verbunden mit dem Themen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. „Es ist wichtig, dass wir das Thema Stromlücke offen angehen“ erklärte EnBW-Technikvorstand Dr. Hans-Josef Zimmer. „Ich bin froh, dass die dena diese Diskussion in Gang gebracht hat."

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 Dr. Wolf-Dietrich Erhard (Sprecher des Vorstandes) bei seiner Begrüßungsrede

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 Die Referenten bei Ihren interessanten Ausführungen (Fotos: Wolfgang List)     

 

 
 
   
 
 
 
   

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© 2012 Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg
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