Dezentrale Erzeugungsstrukturen im ländlichen Raum
Die Möglichkeiten von dezentralen Erzeugungsstrukturen im ländlichen Raum standen im Mittelpunkt eines Debattenabends der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg in Stuttgart. Reinhard Koch, der Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Erneuerbare Energie Güssing GmbH, stellte das „Modell Güssing“ vor. Koch zeigte auf, wie die ehemals strukturschwache Region im Südosten der Alpenrepublik durch die Nutzung erneuerbarer Energien innerhalb weniger Jahre zu einem in Europa anerkannten und oft besuchten Kompetenzzentrum wurde. Den Fokus auf die Strukturen in Baden-Württemberg legten der Biberacher Landrat Dr. Heiko Schmid und Friedlinde Gurr-Hirsch, die Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg.
| Anfang der 1990er Jahre war die Region Güssing mit 28 Gemeinden und rund 27 000 Einwohnern eine sterbende Region. Damals holte der Güssings Bürgermeister Koch als Technischen Leiter in die Gemeinde. Beispiellose Erfolgsstory „Wir brauchen eine Strategie für diese Region, wir brauchen Geld und wir brauchen Arbeitsplätze“ lautete damals das Fazit der ersten Analyse. Zunächst aber musste Geld in die Gemeindekasse kommen, denn es gab in der Region so gut wie keine Wertschöpfung und jährlich flossen 6,2 Millionen Euro alleine für extern produzierte Energie ab. Die ersten zwei Jahre setze man deshalb ein radikales Energiesparprogramm durch, das die Energiekosten der Gemeinde halbierte. 1990 fiel der Beschluss das Energiesystem zu ändern und die vorhandenen natürlichen Ressourcen der landwirtschaftlich geprägten Region, die zu 45 Prozent aus Waldfläche besteht zu nutzen; außerdem die Energie der Sonne, die an 300 Tagen im Jahr im Burgenland scheint. Zwei große Rostfeuerungsanlagen produzieren heute über 70 Millionen Kilowattstunden Fernwärme, die in den Sommermonaten auch zur Gebäudekühlung verwendet wird. Mit dem „Produkt Fernwärme“ konnten rund 50 Betriebe mit über 1.000 Arbeitsplätzen angesiedelt werden. |
Mit über 50.000 Übernachtungen im Jahr ist auch der „Ökoenergietourismus“ zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. „Wir glauben, dass es der Treibstoff ist, der uns vorantreibt“ beschreibt Koch die Motivation für ein weiteres großes Forschungsprojekt, bei dem in Güssing derzeit an der Herstellung synthetischer Kraftstoffe gearbeitet wird. Perspektiven für die Landwirtschaft Mit der Frage, ob der ländliche Raum Impulsgeber für den Klimaschutz sein kann beschäftigte sich Dr. Heiko Schmid, der Landrat des Landkreises Biberach. Seit 2004 ist in dem Landkreis die Zahl der vor allem von Landwirten betriebenen Biogasanlagen um das 3,5-fache gestiegen. Die mittlerweile über 3000 Anlagen produzieren 221,69 Mio. kWh pro Jahr. Bei einem Gesamtverbrauch von 1,2 Mrd. kWh im Jahr werden heute bereits rund 20 % mit erneuerbaren Energien regional erzeugt. Das Problem, das in Zukunft gelöst werden muss, sei, diese dezentralen Anlagen miteinander zu vernetzen. Ein erster Schritt ist die im Mai bei Laupheim in Betrieb genommene Bio-Erdgas-Anlage. |
Bei diesem Pilotprojekt kooperieren die EnBW-Tochtergesellschaft Erdgas Südwest und die Bioenergie Laupheim GmbH & Co. KG, in der sich 21 Landwirte aus der Region und die Gemeinde Burgrieden zusammengeschlossen haben. Der Vorteil dieser Anlage liegt, so Schmid, darin, dass damit Erzeugung und Verbrauch örtlich und zeitlich entkoppelt wird. Dadurch könne der Anteil der Wärmenutzung und damit der Gesamtwirkungsgrad der Biogasnutzung deutlich erhöht werden.
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Dipl.-Ing. Reinhard Koch, Manager des Jahres der österreichischen Region Burgenland und Initiator des Modells Güssing (Foto: W. List) |
Dr. Heiko Schmid, Landrat des Landkreises Biberach. "Dezentrale Anlagen müssen miteinander vernetzt werden" (Foto: W. List) |
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Impulsreferat Dipl.-Ing. Koch